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Zu Besuch bei der Weinlese an der Mosel

Wein schmückt unsere Tafel, wenn wir Freunde einladen und ist ein weltweit akzeptiertes Gastgeschenk. Wir öffnen ihn, wenn wir was zu feiern haben und bestellen ihn zu einem guten Abendessen im Restaurant. Wir wissen, was uns schmeckt, haben unsere Lieblingsweine bei REWE und Co. entdeckt und können in der Weinkarte schnell identifizieren, was wir bestellen möchten.

Lugana, Riesling, Bordeaux, Grüner Veltliner, Pinot Noir, Primitivo – wir alle kennen die Buzzwörter und können auch unter Möchtegern-Weinkennern mithalten. Doch woher kommt eigentlich dieser besagte Wein? Welche Arbeitsschritte stecken hinter der Produktion? Was macht einen Riesling zum Riesling? Wie erkennt man eine gute Traube?

Ich bin sicher noch keine Expertin auf dem Gebiet, aber um mich dem ein Stück zu nähern, habe ich dieses Jahr mit zwei Freundinnen bei der Weinlese an der Mosel mitgeholfen, um das „Handwerk Wein“ besser kennen und noch mehr schätzen zu lernen. Der liebe Matthias vom Weingut Lay hat uns Mädels einen Tag lang mit in den Weinberg genommen.

Ich möchte dir mit diesem Blogeintrag dieses besondere Handwerk näherbringen, meine Erfahrungen teilen und vermitteln, dass guter Wein ein kleiner Luxus ist, ein echtes Genussmittel. Nach einem Tag im Weinberg weiß ich, wieviel Arbeit, Schweiß, Tränen, Liebe, Temperatur und Sonne in jede einzelne Weinflasche fließt und kann Wein jetzt noch mehr genießen als vorher. Und dabei ist die Ernte nur einer von ganz vielen Schritten in der Weinproduktion!


Ein Tag als Erntehelferin an der Mosel

6:45h

Der Wecker klingelt, ich setze schnell den Kaffee für die Mädels auf und hüpfe in die vorher rausgelegten Klamotten. Es ist ein grauer Oktobertag, es sind Regenschauer angesagt, also darf ein Thermoshirt, Halstuch und die Regenjacke nicht fehlen. Ausgerüstet mit festem Schuhwerk kann es losgehen.

08:00h

Angekommen im Weinberg begrüßen wir Matthias Lay, den Winzer, und seinen Vater Werner, der zwar bereits in Rente ist, sich die Weinlese aber nicht nehmen lässt, sowie Laszlo und Eberhardt, die jährlichen Gasthelfer. Damit es gleich ans Eingemachte gehen kann, bekommt jeder einen Eimer in die Hand sowie eine spezielle Schere, die doch schärfer ist als sie aussieht.


Dann suchen wir uns die zu bearbeitenden Weinzeilen aus und stapfen den steilen Berg hinab, bis wir unten angekommen sind. Um auch keine Trauben zu vergessen, teilen wir uns auf: 2 Personen pro Zeile, einer links, einer rechts, und von unten nach oben hocharbeiten. Matthias zeigt uns, wie wir die Trauben richtig schneiden – relativ nah an den Trauben wird der Stiel abgetrennt.


Nach den ersten paar Schnitten und geernteten Trauben trudeln die Fragen ein: „Was ernten wir hier eigentlich?“, „Was ist mit den Trauben, die vertrocknet sind?“, „Was ist mit den Trauben, die von Pilz befallen sind?“ und „Was ist mit den ganz kleinen Trauben?“.

Keine Frage bleibt unbeantwortet, schließlich haben wir auch noch ein paar Stunden Arbeit vor uns und dabei Zeit zu quatschen. Geerntet haben wir an dem Tag Riesling, der später zu unserem Lieblingswein Mojo Riesling verarbeitet wird (Werbung, kommt von Herzen). Das motiviert uns Mädels natürlich nochmal mehr und wir freuen uns, dass wir an der Produktion des Mojo Riesling 2020 teilhaben können!

Je nach Sommer, kann es vorkommen, dass einige Trauben Sonnenbrand bekommen und dadurch vertrocknen. Damit die Qualität des Weines so hoch wie möglich bleibt, ist es ratsam, die vertrockneten Trauben per Hand abzumachen, sodass sie nicht mitverarbeitet werden.

Ein Wort, das wir vorher nicht kannten, aber jetzt natürlich nutzen wie Experten ist: Edelfäule. Diese entsteht an einigen Trauben bei feuchtem Wetter, wenn der Regen die Haut der Traube zerstört. Das Wasser innerhalb der Traube verdunstet und es entsteht ein bestimmtes Aroma. Für uns gilt: Alles mit Edelfäule kommt in den Eimer!


Ein weiteres Fachwort, das wir gelernt haben, ist: Winter-Öhrchen. Das sind Mini-Trauben, die aus einem Trieb der Hauptäste der Pflanze wachsen und somit nicht die gleiche Wachstumszeit hatten wie die Trauben an den Hauptästen. Deswegen konnten sie nicht so viel Saft produzieren, sind kleiner und sauer. Daher ernten wir sie nicht.

Nach und nach füllen sich unsere Eimer, die wir immer wieder in große, rote Kisten entleeren, die nachher an einem Zugseil hochgezogen und auf den Hänger geladen werden.

09:50h

Oben wieder angekommen rücken wir unseren gekrümmten Rücken gerade und klopfen uns die Kletten von der Jeans. „Wollt ihr was trinken?“ ruft uns Werner vom Traktor zu, ich schaue erst verdattert, dann aber schnell auf die Uhr und kontere: „Ja gut, an Karneval trinken wir auch vor 10 Uhr!“.

Damit uns wieder warm wird, gibt es einen kleinen Schluck Schlehenlikör. Schmeckt! Für alle die, genau wie ich, nicht wissen was Schlehen sind: Stellt es euch wie ein Hagebuttenstrauch vor, an dem schwarze Oliven hängen. Kurzes Gruppenfoto und weiter geht’s!


10:00h

Wir teilen uns wieder auf und arbeiten uns von unten nach oben hoch. Langsam fängt es stärker an zu regnen und die Hände werden kalt. Doch wir sind nicht aus Zucker und wollen vor der Mittagspause mit der Zeile fertig werden, also weiter geht’s!

12:00h

Pünktlich zum Glockenschlag machen wir uns auf den Weg zurück nach Pünderich, wo ein leckeres Mittagessen in der Straußwirtschaft des Weingutes auf uns wartet. Natürlich darf ein Gläschen Wein nicht fehlen während die Klamotten am Ofen trocknen. Ein kurzer Check der Regen-App sagt uns, dass der Schauer ab 14 Uhr vorbei ist, daher verlängern wir die Mittagspause, um nicht nochmal nass zu werden. Kein Problem! Bei guter Gesellschaft, Wärme und Wein bleibe ich gerne sitzen.

13:50h

Alle Mann ins Auto und zurück zum Weinberg! Gut gestärkt und mit roten Bäckchen machen wir uns auf in die zweite Runde. Diesmal sind die jungen Weinzeilen dran, deren Pflanzen erst vor 3 Jahren gepflanzt worden sind und die dieses Jahr das erste Mal geerntet werden. Die Blätter der Pflanzen sind auch weniger dicht, die Trauben etwas kleiner und so kommen wir schneller oben an, als bei den vorherigen, älteren Weinzeilen. Wunderbar, denn dann kriegen wir mehr Zeilen geschafft!

16:30h

Die Sonne durchbricht die Wolkendecke und wir haben einen genialen Blick auf die Moselschleife, während die Sonne unser Gesicht wärmt und wir die Jacke ein Stück aufmachen können. Der Nachteil: Der Traubensaft wird nicht mehr vom Regen weggespült und so kleben unsere Hände ganz schön. Matthias berichtet uns von vorherigen Jahren, wo sie die Weinlese bei knapp 30 Grad im T-Shirt gemacht haben und dabei zeitweise ihre Hände vor lauter klebrigen Zucker nicht mehr auseinanderbekommen haben.


17:00

Feierabend! Ein wunderbares Gefühl, wenn man die Erschöpfung im Körper fühlt, die Beute auf dem Traktor sieht und dabei noch den Kopf so frei hat. Wahnsinn, was wir zu siebt alles geerntet haben. Ein kurzer, anerkennender Blick zwischen den Winzern zeigt: Wir haben uns als Laien nicht so schlecht angestellt.



Glücklich setzen wir uns ins Auto und fahren Richtung Weingut zurück. Kurz freue ich mich auf eine Tasse Kaffee, aber die Arbeit geht vor: Natürlich können wir die Trauben nicht einfach auf dem Wagen lassen und auf das Beste hoffen. Nein, der Wagen muss entladen, die Trauben verarbeitet und die roten Kisten gespült werden, damit es morgen früh weitergehen kann.

Auf dem Weingut wartet die Traubenmühle schon auf ihre Arbeit, also stemmen Laszlo und Eberhardt eine Kiste nach der anderen hoch und kippen ihren Inhalt in den Trichter der Mühle.


Die Mühle macht kurzen Prozess, zerquetscht alles was sie kriegen kann – auch die ein oder andere Spinne, die sich in unserer Ernte versteckt hatte. Durch das Quetschen kann der Traubensaft nachher besser austreten und Enzyme sowie Aromen werden freigesetzt. Danach werden die Trauben in der Weinpresse endgültig zerdrückt und deren Traubensaft ausgepresst. Die leeren Kisten verteilen wir währenddessen vor dem Hof und spritzen sie mit dem Gartenschlauch ab und verladen sie auf dem Hänger, wo sie auf den nächsten Einsatz warten.


18:00h

Auf in die langersehnte Kaffeepause. Glücklich und zufrieden gönnen wir uns ein Stück Streuselkuchen und zwei, vielleicht drei Nachschläge vom frisch gebrühten Kaffee. Begeistert schwärmen wir davon, was ein Tag an der frischen Luft, umgeben von toller Landschaft und Handarbeit alles bewirken kann!

19:00h

Quasi nahtlos gehen wir von Kaffee und Kuchen zu Weißwein und Flammkuchen über, begrüßen die Gäste in der Straußwirtschaft, beantworten sehr gerne die Frage, was 3 Mädels aus Köln bei der Weinlese an der Mosel machen und schmieden bereits Pläne für das Jahr 2021. Denn eins ist klar: Wir helfen nächstes Jahr auf jeden Fall wieder bei der Weinlese!

Ich hoffe, ich konnte dir einen Einblick ins Winzer-Handwerk, die Weinlese und meine Faszination für die Moselregion geben. Die Weinlese ist natürlich nur ein kleiner Schritt in einer langen Produktionskette; ihr folgen die Kellerarbeit, die Flaschenabfüllung, die Etikettierung, der Rückschnitt der Weinpflanzen im Frühjahr und noch viel mehr. Aber hey, irgendwo muss man ja mal anfangen!

Wenn du auch Lust hast, nächstes Jahr bei der Ernte mitzuhelfen, schreibst mir am besten eine kurze Email oder Nachricht auf Instagram. Ich freue mich!

Deine Marie


Details zum Weingut:

Weingut Lay, Ansprechpartner: Matthias Lay

www.weingut-lay.de

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